Meine fünf Gebote des Schreibens

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Meine fünf Gebote des Schreibens

Ich habe mit dem Erfinden von Geschichten begonnen, noch bevor ich lesen konnte. Und seit mehr als 25 Jahren gehört das Schreiben in der einen oder anderen Form zu meinem beruflichen Alltag und sorgt unter anderem für meinen Lebensunterhalt. Da ich häufig nach Ratschlägen gefragt werde, sei es auf Lesungen, in Gesprächen oder in Briefen, hier die (meiner unmaßgeblichen Meinung nach) fünf wesentlichen Gebote des Schreibens:

Erstes Gebot: Schreiben. Schreiben. Noch mehr schreiben.

„Write, write, write more“: Diese Weisheit wird oft Ernest Hemingway in den Mund gelegt. Doch wer auch immer es zuerst gesagt hat: Er hat recht und ihm gebührt der Nobelpreis für die bedeutsamsten fünf Worte der Weltliteratur.

Wie jede Kunstform bedarf auch das Schreiben des täglichen Übens. Wirklich Autofahren, so sagt man, kann erst nach 100.000 Kilometern. Schreiben, so würde ich ergänzen, frühestens nach 10.000 Seiten.

Zweites Gebot: Überarbeiten. Überarbeiten. Noch mehr überarbeiten.

Sich selbst der schärfste Kritiker zu sein, härtet nicht nur ab, sondern erspart auch spätere Rückschläge. Wie Hemingway es ausdrückte: „Die erste Fassung ist immer Scheiße.“

Drittes Gebot: Streichen. Streichen. Noch mehr streichen.

„Was gestrichen ist, kann nicht durchfallen“, zitiert Theaterdirektor Striese den Theaterkritiker Otto Brahm, um einen Autor von notwendigen Kürzungen zu überzeugen. Noch präziser formuliert es Antoine de Saint-Exupéry: „Perfektion ist nicht dann erreicht, wenn es nichts mehr hinzuzufügen gibt, sondern wenn man nichts mehr weglassen kann.“

Viertes Gebot: Lesen. Lesen. Noch mehr lesen.

Ob Klassiker, Literatur des eigenen Genres, Sachbuch oder gar Telefonbuch: Mit jedem gelesenen Text wachsen Wissen und Stilbewusstsein. Nur eine Lektüre kann man sich sparen, Schreibratgeber von Leuten, deren wesentliche schriftstellerische Großtat im Verfassen von Schreibratgebern besteht.

Fünftes Gebot: Leben. Leben. Noch mehr Leben.

Wissen + Erfahrung = Weisheit. Oder, um es mit Henry Rollins zu sagen: „Knowledge without mileage is worthless.“

Fragen zu diesen Geboten oder zu anderen Aspekten des Schreibens?

Ab sofort beantworte ich in meiner Blog-Serie „FragDenAutor-Freitag“ jeden Freitag eine Frage zu allen Themen rund um den kreativen Umgang mit Wörtern und Sätzen. Ihr habt eine Frage, die ich euch beantworten soll? Dann schreibt mir eine Mail: helmut@helmut-barz.info.

Von | 2017-08-01T14:12:14+00:00 Juli 30th, 2017|FragdenAutor-Freitag, Leben, Lesen, Schreiben, Zitate|Kommentare deaktiviert für Meine fünf Gebote des Schreibens

About the Author:

Helmut Barz
ist kein höheres Wesen, würde jedoch – nach seinem Ableben vor die Wahl gestellt – eine Existenz als Gespenst in Erwägung ziehen, vorzugsweise als Hausgeist der Deutschen Bibliothek. Eine Wiedergeburt als Panda wäre aber auch in Ordnung. Geboren in Braunschweig, wuchs er in St. Peter-Ording an der Nordseeküste auf. Nach dem Abitur und zwei Jahren Arbeit an verschiedenen Berliner Theatern studierte er Theaterwissenschaften in Gießen sowie Theaterregie in Frankfurt am Main. Hauptberuflich arbeitet er derzeit als freiberuflicher Kreativdirektor, Texter, PR-Consultant, Übersetzer und Regisseur: Er inszenierte unter anderem in Celle, Stuttgart, Frankfurt und Kapstadt. Seine schriftstellerische Leidenschaft gehört dem fiktionalen Schreiben: Er hat bis jetzt fünf Romane veröffentlicht, darunter die Krimiserie um die Frankfurter Kriminalpolizistin Katharina Klein. Seine (oft musikalisch untermalten) Lesungen haben im Rhein-Main-Gebiet eine treue Fangemeinde. Zurzeit lebt er in Offenbach am Main, hat jedoch auch viel Zeit in Kapstadt und New York verbracht.